Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Carolina SchleichAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Berlins Staatsoper präsentiert provokante Neuinszenierung von Un ballo in maschera – Netrebko im Zentrum von Jubel und Protesten
Am Wochenende brachte die Berliner Staatsoper eine gewagte Neuinszenierung von Un ballo in maschera auf die Bühne, mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle als Amelia. Die Premiere löste sowohl begeisterten Applaus als auch laute Proteste aus: Rund 50 Demonstranten versammelten sich vor dem Opernhaus, schwenkten ukrainische Flaggen und verurteilten die angeblichen Verbindungen der Star-Sängerin zum Kreml.
Die Aufführung markierte Netrebkos Rückkehr in die deutsche Hauptstadt – begleitet von anhaltenden Kontroversen über ihre frühere Unterstützung für Präsident Wladimir Putin und eine vielbeachtete Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml. Die Inszenierung des Regisseurs Rafael R. Villalobos verband Elemente der queeren Ballroom-Kultur mit Anspielungen auf die AIDS-Krise und Verdis Klassiker. Das Publikum reagierte überwiegend positiv, mit starkem Beifall für Netrebkos Darstellung sowie für Orchester und Ensemble. Doch vor dem Gebäude skandierten Protestierende Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" – ein Zeichen für den anhaltenden Widerstand gegen ihre Auftritte.
Seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 durchlebt Netrebkos Karriere Turbulenzen. Anfangs sagten renommierte Häuser wie die Met in New York und die Wiener Staatsoper ihre Engagements ab, nachdem sie sich zunächst geweigert hatte, den Krieg klar zu verurteilen. Doch ab der Spielzeit 2025/26 begannen Institutionen wie die Mailänder Scala, die Berliner Philharmonie und die Semperoper Dresden, sie wieder zu verpflichten. Die Meinungen in der Branche bleiben gespalten: Während Met-Direktor Peter Gelb sie 2022 auf unbestimmte Zeit aussperrte und Dirigent Vladimir Jurowski ihre Isolation forderte, arbeiten andere wie Plácido Domingo weiterhin mit ihr zusammen.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, verwies darauf, dass sich Netrebko öffentlich von Russland distanziert habe und seit Anfang 2022 nicht dorthin zurückgekehrt sei. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, trat zuletzt vor Jahren in Berlin auf – lange bevor der Krieg ihr öffentliches Image prägte. Trotz der Proteste verlief ihre Darstellung in Un ballo in maschera ohne Unterbrechung, und die Reaktionen des Publikums fielen mehrheitlich positiv aus.
Die Premiere unterstrich die anhaltende Debatte über Künstler mit politischen Kontroversen. Netrebkos Rückkehr auf die Berliner Bühne deutet auf eine teilweise Rehabilitation hin, doch der Widerstand ukrainischer Gruppen und einiger Kulturschaffender bleibt bestehen. Im Rahmen des Weihnachtsprogramms der Staatsoper sind in den kommenden Wochen weitere Vorstellungen der Produktion geplant.






