ARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch überzeugt das junge Publikum?
Malte KrauseARD und ZDF setzen auf persönliche Reportagen – doch überzeugt das junge Publikum?
ARD und ZDF testen neue Reportageformate, um jüngere Zuschauer zu gewinnen
Die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF experimentieren mit neuen Reportageformaten, die gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen sollen. Diese Sendungen brechen mit dem traditionellen Journalismus, indem sie die persönliche Perspektive der Reporter:innen in den Mittelpunkt stellen. Fünf Formate – VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage – setzen auf diesen Ansatz.
Die neuen Formate basieren auf emotionaler, ich-zentrierter Erzählweise, um eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Junge Zuschauer:innen beschreiben sie oft als nahbar und glaubwürdig – dank ihrer Authentizität und des persönlichen Tons. Doch der Verzicht auf klassische Objektivität und Neutralität wirft Fragen nach der journalistischen Ausgewogenheit auf.
Einige dieser Formate kämpfen damit, eine klare Identität zu entwickeln oder tiefgehende Recherchen zu liefern. Dominiert die Sichtweise der Reporter:innen, rückt das eigentliche Thema mitunter in den Hintergrund. Erste Anzeichen deuten zudem darauf hin, dass junge Zielgruppen das Interesse an der wachsenden Zahl ähnlicher "Ich-zentrierter" Formate verlieren könnten.
Trotz der Herausforderungen gehen Expert:innen davon aus, dass persönliche Erzählperspektiven im öffentlichen Rundfunk bleiben werden. Ihr langfristiger Erfolg könnte jedoch davon abhängen, die richtigen Geschichten auszuwählen. Bisher fehlen Vergleichsdaten zu Einschaltquoten oder Reichweite im Vergleich zu etablierten Formaten wie funk oder Y-Kollektiv seit deren Start.
Die öffentlichen Sender stehen vor der Aufgabe, Authentizität mit journalistischer Sorgfalt in Einklang zu bringen. Die Zukunft dieser Formate wird vermutlich davon abhängen, ob es gelingt, das Publikum zu fesseln, ohne Tiefe und Glaubwürdigkeit zu opfern. Ohne Anpassungen drohen sie an Bedeutung zu verlieren, sobald das Zuschauerinteresse nachlässt.






