29 June 2026, 18:20

Bachmann-Preis 2024: Frauen dominieren mit radikalen Texten über Prekarität und Macht

Frontal gegen alles

Bachmann-Preis 2024: Frauen dominieren mit radikalen Texten über Prekarität und Macht

Der Bachmann-Preis in Klagenfurt hat erneut für Diskussionen gesorgt – mit mutigen Texten und starken Reaktionen. In diesem Jahr bestand die Jury erstmals ausschließlich aus sieben Frauen, und die Preisträgerinnen wie Schaette und Kinga Tóth setzten markante Akzente. Die Lesungen thematisierten dabei auch Prekarität, Identität und Machtstrukturen in der Literatur.

Schaette gewann das mit 30.000 Euro dotierte Hauptstipendium sowie den Publikumspreis für ihren Text „Was wir tragen“, der sich mit lebenslanger Gewalt und Bewältigungsstrategien übergewichtiger Menschen auseinandersetzt. Ein wiederkehrendes Motiv vieler Beiträge – „Flecken“ oder „blinde Stellen“ – verwies dabei subtil auf prekäre Lebensumstände.

Die rein weiblich besetzte Jury würdigte zudem Kinga Tóths sprachgewitzigen, polyphonen Stil, für den sie den KELAG-Preis erhielt – insbesondere ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für „Vater ohne Sohn“ ausgezeichnet, eine zurückhaltend, doch sinnlich erzählte Geschichte über einen schwulen Vater.

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Ein besonderer Eklat ereignete sich, als Slata Roschal nach ihrer Lesung die Konfrontation mit der Jury verweigerte. Sie kritisierte den Literaturbetrieb scharf, obwohl ihr Text Prekarität nur oberflächlich behandelte und stattdessen die literarische Welt selbst in den Fokus rückte. Gleichzeitig wurde auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ verwiesen, in dem Gott als Angeklagter in einer Gerichtsverhandlung durch die Wahrheit freigesprochen wird.

Die Jury betonte, dass wirtschaftliche Ungleichheiten und Hierarchien in vielen Texten eine zentrale Rolle spielten – Reichtum diente dabei oft als Statussymbol. Die Veranstaltung präsentierte vielfältige Stimmen und provokante Themen und hinterlässt so nachhaltige Spuren in der Literaturszene.

Quelle