"Bild"-Dichter Franz Josef Wagner mit 82 Jahren gestorben – ein polarisierendes Erbe
Gustav Jacob"Bild"-Dichter Franz Josef Wagner mit 82 Jahren gestorben – ein polarisierendes Erbe
Franz Josef Wagner, der langjährige Kolumnist und als "Bild"-Dichter bekannte Chronist, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Seine Karriere umfasste mehr als fünf Jahrzehnte beim Axel-Springer-Verlag, wo er mit seiner scharfen, oft provokanten Feder berühmt wurde. Wagner verstarb am 7. Oktober und hinterlässt ein Erbe aus Witz und Kontroversen.
Ebenfalls kürzlich starb Alfred Hilsberg, eine prägende Figur der Hamburger Underground-Szene, mit 77 Jahren. Die beiden Männer standen für völlig unterschiedliche Seiten der deutschen Kultur – der eine als Stimme des Mainstream-Journalismus, der andere als Ikone der Gegenkultur.
Wagner begann 1966 als Reporter bei Axel Springer. Als überzeugter Katholik stieg er in der Redaktion auf, geriet aber wegen seines ungeschminkten Stils immer wieder mit Vorgesetzten aneinander. Trotz seines Ehrgeizes verhinderte seine schonungslose Art eine Spitzenposition in der Führungsetage.
Von 2001 bis 2022 verfasste er kurze, satirische Briefe an Prominente, Institutionen oder sogar abstrakte Ideen. Jeder Text endete mit seiner markanten Unterschrift: "Ihr Franz Josef Wagner". Seine letzte Kolumne, veröffentlicht am 7. September 2022, richtete sich an Carlo Acutis, einen jungen italienischen katholischen Aktivisten.
Neben seiner eigenen Arbeit schrieb Wagner im Hintergrund für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Politisch blieb er zeitlebens rechtkonservativ und reaktionär. Seine Kolumne wurde indes zu einem Markenzeichen der "Bild" und prägte sowohl sein eigenes Leben als auch die Identität der Zeitung.
Hilsberg hingegen war eine Figur des Hamburger Undergrounds. Berühmt wurde er für seine abfällige Haltung gegenüber Bier und Haschisch als bewusstseinsverändernden Substanzen – stattdessen empfahl er das regelmäßige Lesen der "Bild" als "bewusstseinserweiternde Droge" – eine spitze Anspielung auf Wagners Arbeitgeber.
Wagners Tod markiert das Ende einer Ära im deutschen Boulevardjournalismus. Seine Kolumnen, so polarisierend sie auch waren, prägten die "Bild" über zwei Jahrzehnte lang. Auch Hilsbergs Ableben schließt ein Kapitel der deutschen Kulturgeschichte – zwei ganz unterschiedliche, doch gleichermaßen einflussreiche Vermächtnisse bleiben zurück.