Dänisches Apothekenmodell scheitert in Deutschland an zentralen Unterschieden
Gustav JacobDänisches Apothekenmodell scheitert in Deutschland an zentralen Unterschieden
Eine neue Studie warnt, dass das dänische Apothekenmodell in Deutschland kaum funktionieren würde. Die Doktorarbeit von Dr. Claus Pöhlmann zeigt zentrale Unterschiede zwischen beiden Ländern auf. Seine Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine Übernahme des dänischen Systems für deutsche Apotheken unerwartete Herausforderungen mit sich bringen könnte.
Dänemark lockerte 2015 die Vorschriften für Apothekenbesitz. Seitdem dürfen Einzelpersonen mehrere Filialen betreiben. In der Folge stieg die Zahl der Apothekenstandorte von 76 auf 300. Vierzig Kleinstädte erhielten erstmals eine Apotheke, was die Versorgung in ländlichen Regionen verbesserte.
Allerdings sank die Zahl der selbstständigen Apothekeninhaber von 220 auf 176. Im Schnitt leitet ein Filialleiter heute 3,10 Standorte – 2015 waren es noch 1,95. Viele Filialen werden von Farmakonomer geführt, einer Berufsgruppe, die in etwa den deutschen Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) entspricht, statt von voll ausgebildeten Apothekern.
Das dänische System sieht zudem vereinfachte Abgabemodelle für Medikamente vor. Dazu zählen „Freiverkaufsstellen“ für rezeptfreie Arzneimittel und „Medikamenten-Abholstellen“ mit begrenztem Service. Bis Oktober 2025 soll die Zahl dieser Abholstellen auf 350 steigen. Dänische Apotheker verfügen über weniger Entscheidungsfreiheit als ihre deutschen Kollegen, da der Staat Einnahmen und Lizenzen streng reguliert.
Zudem hat der Wettbewerb zugenommen: Rund 4.000 Einzelhandelsgeschäfte verkaufen mittlerweile rezeptfreie Medikamente. Darüber hinaus müssen Apotheken im Rahmen einer „Branchenabgabe“ in den nächsten 20 bis 30 Jahren 490 Millionen dänische Kronen (rund 66 Millionen Euro) zurückzahlen. Diese Regelung trat im Januar 2025 in Kraft.
Pöhlmanns Studie kommt zu dem Schluss, dass das dänische Modell für den deutschen Apothekenmarkt ungeeignet wäre. Als Hauptprobleme nennt die Untersuchung die strengere staatliche Kontrolle, den Verlust an beruflicher Autonomie für Apotheker sowie die finanziellen Belastungen. Ein Wechsel hin zum dänischen System erfordere daher eine sorgfältige Abwägung dieser Faktoren.






