DAX: Vom Börsenbarometer zum Derivate-Giganten mit turbulenter Geschichte
Gustav JacobDAX: Vom Börsenbarometer zum Derivate-Giganten mit turbulenter Geschichte
Der DAX-Prüfindex prägt seit Jahrzehnten die deutschen Finanzmärkte. Er gilt als zentraler Referenzwert, lässt sich jedoch nicht direkt erwerben – Anleger müssen stattdessen auf ETFs, Futures oder andere Derivate ausweichen. Diese Finanzprodukte haben den DAX zum meistgehandelten Basiswert im deutschen Derivatemarkt gemacht, wobei er oft sogar Einzelaktien im Handelsvolumen übertrifft.
Die Geschichte des Index ist von extremen Schwankungen geprägt. Am 16. Oktober 1989 erlebte er seinen größten Tagesverlust: Nach dem Scheitern der Finanzierung einer geplanten Übernahme von United Airlines brach der DAX um fast 13 Prozent ein. Jahrzehnte später entwickelte sich der Dotcom-Crash von 2000 bis 2003 zur längsten Talfahrt – innerhalb von knapp drei Jahren verlor der Index über 70 Prozent seines Werts.
Die COVID-19-Pandemie löste 2020 einen weiteren steilen Absturz aus: Innerhalb von nur vier Wochen büßte der DAX rund 40 Prozent ein. Im selben Jahr führte der 1,9-Milliarden-Euro-Bilanzskandal von Wirecard im August zu dessen Ausschluss aus dem Index – kaum zwei Jahre nach der Aufnahme im September 2018.
Eine grundlegende Reform im Jahr 2021 veränderte den DAX nachhaltig: Die Anzahl der enthaltenen Unternehmen stieg von 30 auf 40, eine Gewinnanforderung wurde eingeführt, und die Prüfintervalle sowie Berichtspflichten wurden ausgeweitet. Trotz seiner nur indirekten Investierbarkeit bleibt der DAX eine Säule der deutschen Finanzwelt. Seine volatile Geschichte und die Reformen spiegeln seine sich wandelnde Rolle auf den globalen Märkten wider. Besonders im Derivatehandel zieht der Index weiterhin großes Handelsvolumen an.
