Europas Flugverkehr boomt – doch Deutschland bleibt auf der Strecke
Liesbeth KuhlEuropas Flugverkehr boomt – doch Deutschland bleibt auf der Strecke
Europäischer Flugverkehr übertrifft Vorkrisenniveau – deutsche Flughäfen hinken hinterher
Während der europäische Luftverkehr die Werte von vor der Pandemie bereits übertroffen hat, kämpfen deutsche Flughäfen weiterhin mit Rückständen. Hier liegen die Kapazitäten nach wie vor unter denen von 2019, und mehr als ein Drittel der Inlandsstrecken wurde seitdem gestrichen. Branchenvertreter warnen nun: Ohne dringende Reformen droht Deutschland seinen Status als wichtiger Luftverkehrsknotenpunkt zu verlieren.
Der Bundesverband der Deutschen Flughäfen (ADV) verweist auf die wachsende Kluft zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern. Während große europäische Drehkreuze wie Amsterdam Schiphol, Paris Charles de Gaulle oder Madrid Barajas ihre Kapazitäten von 2019 bereits übertroffen haben – teilweise um 10 bis 15 Prozent –, erreichen deutsche Flughäfen nicht einmal 90 Prozent des Vorkrisenniveaus. Personalmangel, Umweltproteste und Nachtflugbeschränkungen bremsen die Erholung zusätzlich aus.
Der ADV, der Bundesländer, Kommunen und Wirtschaftsverbände vertritt, sieht in den hohen staatlich auferlegten Kosten ein zentrales Hindernis. Diese machen Deutschland für Airlines weniger attraktiv als Frankreich, Spanien oder die Niederlande. Kaweh Mansoori (SPD), hessischer Verkehrsminister und ADV-Vorsitzender, betonte die Notwendigkeit einer stabilen Finanzierung – insbesondere für kleinere Flughäfen – durch klarere regulatorische Planung bei den Flugsicherungsgebühren.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, fordert der ADV eine Überprüfung der Kostenstrukturen und Investitionsrahmen auf Bundes- und EU-Ebene. Zusätzliche nationale Vorschriften über die EU-Standards hinaus lehnt der Verband ab, da diese die Position Deutschlands weiter schwächen würden. Stattdessen setzt man auf nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) als Schlüssellösung – trotz aktueller Produktionsengpässe und hoher Kosten.
Andere europäische Länder sind bereits aktiv geworden: Die Niederlande subventionieren SAF am Flughafen Schiphol, Frankreich fördert Infrastrukturmodernisierungen im Rahmen des Programms "France Relance", und Spanien hat 1,7 Milliarden Euro für die Aufwertung der Drehkreuze Madrid und Barcelona bereitgestellt. Währenddessen verzeichnen deutsche Point-to-Point-Airlines kaum Wachstum – anders als in konkurrierenden Ländern.
Ohne Kurskorrektur in der Politik könnte der deutsche Luftverkehrssektor weiter zurückfallen. Die Forderungen des ADV nach Kostensenkungen, Investitionsanreizen und einem Fokus auf nachhaltige Kraftstoffe zielen darauf ab, diesen Trend umzukehren. Doch derzeit expandieren die Nachbarländer schneller – und deutsche Flughäfen riskieren, noch weiter abgehängt zu werden.