EZB kauft riskante Unternehmensanleihen – wer zahlt bei Pleiten?
Carolina SchleichEZB kauft riskante Unternehmensanleihen – wer zahlt bei Pleiten?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich zu einem zentralen Akteur auf dem Markt für Unternehmensanleihen entwickelt und Schuldtitel von Hunderten Unternehmen aufgekauft. Mittlerweile hält sie Anleihen im Umfang von 440 Emissionen, darunter von Firmen wie Telecom Italia, EDP Finance und Teollisuuden Voima. Doch fast die Hälfte dieser Papiere trägt ein B-Rating – ein Hinweis auf ein erhöhtes Ausfallrisiko.
Mit ihrem Anleihenkaufprogramm will die EZB die Finanzierungsbedingungen für ein breites Spektrum von Unternehmen erleichtern. Durch ihr Eingreifen hat sie ihren Einfluss über große börsennotierte Konzerne hinaus ausgeweitet und bezieht nun auch mittelgroße, privat geführte Unternehmen ein. Diese tiefgreifendere Marktintervention markiert einen Wandel in der Art und Weise, wie die Notenbank die Wirtschaft steuert.
Bei der Bewertung der Anleihenqualität verfolgt die EZB einen flexiblen Ansatz: Sie kann sich das beste Rating der vier großen Agenturen aussuchen, um eine Papiere als investmentgrade – also als Anlage mit hoher Bonität – einzustufen. Dadurch gelten einige der von ihr gehaltenen Anleihen nach anderen Bewertungsmaßstäben als "Ramschpapiere".
Kritiker weisen darauf hin, dass im Falle von Unternehmenspleiten die Steuerzahler der Eurozone für die Verluste aufkommen müssten. Aufgrund ihrer riesigen Anleihenportfolios zählen die EZB und die Bank von Japan mittlerweile zu den größten Hedgefonds der Welt.
Das Programm hat die Kreditbedingungen für Unternehmen in ganz Europa verändert. Da fast die Hälfte der von der EZB gehaltenen Anleihen unter der Investmentgrade-Schwelle liegt, birgt ihre Strategie deutliche finanzielle Risiken. Die langfristigen Folgen für die Märkte und die Steuerzahler bleiben abzuwarten.






