Gebrauchtwagenpreise sinken – doch Elektroautos verlieren schneller an Wert
Gustav JacobGebrauchtwagenpreise sinken – doch Elektroautos verlieren schneller an Wert
Die Coronavirus-Pandemie brachte die globalen Lieferketten durcheinander und traf die Automobilbranche besonders hart. Produktionsverzögerungen und der Mangel an Halbleitern führten zu einem deutlichen Rückgang der Neuproduktion von Fahrzeugen, was die Nachfrage – und damit die Preise – auf dem Gebrauchtwagenmarkt in die Höhe trieb. Jahre später kämpft die Branche noch immer mit den Folgen.
Zwischen 2020 und 2021 zwang die Chipkrise die Automobilhersteller immer wieder, die Produktion einzustellen. Halbleiterproduzenten hatten während der Lockdowns ihre Kapazitäten auf Unterhaltungselektronik verlagert, sodass die Autohersteller Probleme hatten, als die Nachfrage wieder anstieg. In der Folge wurden 2021 schätzungsweise sieben bis elf Millionen weniger Fahrzeuge produziert als ursprünglich geplant. Die Lieferzeiten für Neuwagen verlängerten sich von sechs Monaten auf bis zu achtzehn Monate.
Da weniger Neuwagen verfügbar waren, wandten sich Käufer dem Gebrauchtmarkt zu und trieben die Preise stark in die Höhe. Zwischen 2021 und 2022 stiegen die durchschnittlichen Gebrauchtwagenpreise in Deutschland um etwa 19 Prozent. Besonders gravierend war der Mangel an jungen Gebrauchtfahrzeugen, deren Bestände etwa 25 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie blieben. Noch immer erholt sich das Angebot nur langsam, auch wenn die Rückgabe von Leasingfahrzeugen langsam für Entlastung sorgt.
Die Preise erreichten 2023 schließlich ihren Höhepunkt, bevor sie sich zu stabilisieren begannen. Anfang 2025 kostete ein durchschnittlicher Gebrauchtwagen in Deutschland etwa 27.800 Euro – ein Rückgang von fünf Prozent gegenüber dem Höchststand von 2023. Doch nicht alle Segmente entwickelten sich gleich. SUVs und Kompaktmodelle wie der VW Tiguan oder der BMW X1 hielten ihren Wert oder stiegen sogar im Preis. Dreijährige Elektroautos hingegen werden mittlerweile für etwa die Hälfte ihres ursprünglichen Preises angeboten – ein stärkerer Wertverlust als bei Benzin- oder Dieselmodellen.
Der Gebrauchtwagenmarkt findet allmählich zu einem Gleichgewicht zurück: 2024 stiegen die Halterwechsel, und 2025 nahm die Nachfrage weiter zu. Dennoch bestehen weiterhin Lieferengpässe, und die Preisentwicklung variiert stark je nach Fahrzeugtyp. Während einige Modelle ihren Wiederverkaufswert gut halten, sind Elektroautos von einer stärkeren Wertminderung betroffen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.






