Hamburg streicht lebenswichtige medizinische Hilfe für unversicherte Migrant:innen
Malte KrauseHamburg streicht lebenswichtige medizinische Hilfe für unversicherte Migrant:innen
Unversicherte Migrant:innen in Hamburg erhalten seit Mitte Mai keine lebenswichtige medizinische Versorgung mehr. Die städtische Notfallhilfe ist ohne Mittel, sodass viele Patient:innen ohne Behandlung bleiben. Das Netzwerk Medinetz, das sich für die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung einsetzt, fordert nun die Behörden zum Handeln auf.
Die Clearingstelle im Hamburger Flüchtlingszentrum unterstützt unversicherte Personen beim Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie vermittelt sie entweder in das reguläre System oder übernimmt dringende Behandlungen über einen kommunalen Notfallfonds. 2024 wurden 678 von 781 Klient:innen für eine Unterstützung bewilligt – insgesamt flossen 718.000 Euro in Behandlungen und Medikamente.
Doch die Nachfrage nach dem Angebot ist stark gestiegen: Die Beratungsfälle stiegen von 284 im Jahr 2012 auf über 2.300 in diesem Jahr. Der Etat wurde jedoch nie entsprechend angepasst. Im Mai wurden statt der beantragten 500.000 Euro nur 100.000 Euro freigegeben – für neue Fälle blieb kein Geld mehr übrig.
Matthias Plieninger, Arzt und Mitglied von Medinetz, warnt, dass Patient:innen ohne Finanzierung schwere gesundheitliche Risiken drohen. Marian Laue, stellvertretende Koordinatorin des Netzwerks, kritisiert die Sparpolitik der Stadt und das Versäumnis, langfristige Lösungen zu planen. Medinetz fordert Hamburg auf, sein Koalitionsversprechen einzulösen, umgehend Mittel bereitzustellen und ein nachhaltiges Finanzierungsmodell zu schaffen.
Das Notfallhilfeprogramm bleibt voraussichtlich bis Jahresende ohne Unterstützung. Ohne Gegenmaßnahmen wird unversicherten Migrant:innen weiterhin essenzielle medizinische Behandlung verweigert. Wie die Stadt reagiert, wird entscheiden, ob das System dem wachsenden Bedarf gerecht werden kann.
