13 March 2026, 00:10

Hans-Georg Backhaus – ein Denker der Neuen Marx-Lektüre ist tot

Ein Plakat mit fetter, schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, eingerahmt von einem dünnen schwarzen Rand, das 'Maganomics: Ein Wirtschaftsplan, der drei Dinge tut: Steuern für die Reichen und große Unternehmen weiter senken'.

Hans-Georg Backhaus – ein Denker der Neuen Marx-Lektüre ist tot

Hans-Georg Backhaus, eine zentrale Figur der Neuen Marx-Lektüre, starb am 8. März 2026 im Alter von 96 Jahren. 1929 in Thüringen geboren, erlebte er den Aufstieg des Faschismus in der Region mit, bevor er zu einem der führenden Denker von Marx' Kritik der politischen Ökonomie wurde. Seine Arbeit prägte die Deutung des Kapitals als radikale Gesellschaftskritik und nicht als ökonomisches Lehrbuch.

1961 zog Backhaus nach Frankfurt, um bei den renommierten Theoretikern Max Horkheimer, Karl Heinz Haag und Theodor W. Adorno zu studieren. Dort entwickelte er seinen Zugang zu Marx' Theorie, wobei er sich insbesondere mit dem Verhältnis von Geld und Wert beschäftigte. Mitte der 1960er-Jahre legte er gemeinsam mit Helmut Reichelt eine "logisch-kategoriale" oder "formanalytische" Lesart von Marx' Wertformanalyse vor.

Sein bedeutendster Beitrag war die "kopernikanische Wende" in der marxistischen Kritik: die These, dass Wert nicht vor dem Geld existieren könne, womit er prämonetäre Werttheorien zurückwies. Backhaus wies zudem auf "Ambivalenzen" in Marx' eigenem Werk hin und hinterfragte sowohl die Begriffe von Wert und Geld als auch die Art und Weise, wie Marx sie darlegte. 1997 wurden seine wichtigsten Schriften unter dem Titel Dialektik der Wertform gesammelt und festigten so seinen Einfluss auf spätere Debatten.

Obwohl seine Ideen für die Neue Marx-Lektüre grundlegend wurden, finden sich konkrete akademische Arbeiten von Backhaus selten im Detail zitiert. Sein Vermächtnis liegt darin, das Kapital als Kritik der politischen Ökonomie und nicht als alternatives Wirtschaftsmodell neu gerahmt zu haben.

Mit Backhaus' Tod endet eine Ära der marxistischen Theorie. Seine Betonung des untrennbaren Zusammenhangs zwischen Geld und Wert prägte die Interpretationen des Kapitals über Jahrzehnte. Die Neue Marx-Lektüre baut weiterhin auf seinen Argumenten auf und hält so sein intellektuelles Erbe lebendig.

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