28 March 2026, 18:15

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet das Hamburger Publikum

Offenes Buch mit dem Titel 'The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts' mit einem Textblatt und einem Logo.

Kratzers provokante Schumann-Inszenierung spaltet das Hamburger Publikum

Hamburger Staatsoper präsentiert provokante Neuinszenierung von Das Paradies und die Peri

Die Hamburger Staatsoper hat mit einer mutigen Neuinterpretation von Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri für Furore gesorgt. Die auf einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh basierende Komposition wird unter der Regie von Tobias Kratzer zu einem zeitgenössischen Erlebnis, das traditionelle Grenzen sprengt, das Publikum direkt einbindet und moderne Themen in das Werk des 19. Jahrhunderts webt.

Die Premiere löste starke Reaktionen aus: Neben vereinzeltem Buhrufen erntete Kratzers kühner Ansatz schließlich begeisterten Applaus. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Rainer Sellmaier hat der Regisseur das Oratorium für die heutige Zeit neu gedacht. Die Inszenierung zeigt aktuelle Figuren und brennende gesellschaftliche Fragen – etwa die Klimakrise. Ein prägnantes Bild entsteht im dritten Teil des Stücks, in dem Kinder unter einer von Smog erfüllten Kuppel spielen.

Die Produktion verwischt zudem die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, klettert über die Sitzreihen und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin – ein kraftvolles Symbol der Empathie. Kratzers Regie setzt auf Kameraschwenks, dramatische Lichtführung und Momente, in denen die Darsteller das Publikum direkt ansprechen und so die vierte Wand durchbrechen.

Die Philharmoniker Hamburg unter der Leitung von Dirigent Omer Meir Wellber lieferten eine mitreißende Interpretation von Schumanns Partitur. Trotz einiger kritischer Stimmen – eine Zuschauerin rief "Buh!" und verließ vorzeitig den Saal – feierte das Publikum die Inszenierung am Ende mit stehenden Ovationen. Die Staatsoper, die Kratzer seit seiner Berufung zum Intendanten konsequent weiterentwickelt, setzt ihren innovativen Kurs fort. Geplant sind unter anderem Monster's Paradise und Frauenliebe und -sterben als Teil der neuen Musiktheater-Reihe.

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Peris Suche nach einem Geschenk, das ihr den Eintritt ins Paradies ermöglicht, entfaltet sich vor dem Hintergrund von Krieg, Pest und Generationenkonflikten. Kratzer, kürzlich von der Opernwelt zum "Regisseur des Jahres" gekürt, will die Oper für ein breiteres Hamburger Publikum zugänglicher und relevanter machen.

Die Premiere von Das Paradies und die Peri markiert einen weiteren provokanten Schritt der Hamburger Staatsoper unter Kratzers Leitung. Indem die Produktion Schumanns romantische Musik mit zeitgenössischen Themen verbindet, fordert sie das Publikum auf, über aktuelle Krisen nachzudenken. Die gespaltenen, letztlich aber mehrheitlich positiven Reaktionen deuten darauf hin, dass der Ansatz einen Nerv getroffen hat.

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