16 March 2026, 00:33

Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen Deutschland bei den Lessing-Tagen

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess der britischen Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert fiktiven Prozess gegen Deutschland bei den Lessing-Tagen

Die diesjährigen Lessing-Tage in Hamburg enden mit einer kühnen und umstrittenen Veranstaltung in der Nähe: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. In dem fiktiven Prozess wird diskutiert, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte – eine Mischung aus Theater und realer politischer Debatte.

Das von Matthias Lilienthal, dem designierten künstlerischen Leiter der Berliner Volksbühne, kuratierte Festival schlägt damit provokante Töne an. Raus Produktion verzichtet auf klassische Theaterbesetzung: Stattdessen leiten Juristen und Rechtsexperten das Verfahren. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz und verleiht dem simulierten Prozess zusätzliches Gewicht.

Die Veranstaltung heute wird als Livestream auf der Website des Theaters übertragen und ist so auch über den Spielort hinaus zugänglich. Rau ist bekannt dafür, gesellschaftspolitische Themen in immersiven, gerichtsähnlichen Performances aufzugreifen. Seine früheren Arbeiten setzten sich mit Rechtsextremismus und Tech-Feudalismus auseinander und lösten oft öffentliche Diskussionen aus.

Die Lessing-Tage, 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux ins Leben gerufen, widmen sich seit jeher zeitgenössischen Themen. Die diesjährige Ausgabe geht noch einen Schritt weiter und stellt sich direkt der wachsenden Bedrohung durch rechtsextreme Politik in Deutschland.

Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland bildet einen markanten Abschluss des Festivals, das Kunst mit drängenden politischen Fragen verbindet. Durch die Einbindung realer Juristen und die Live-Übertragung will die Performance das Publikum in eine Debatte über Demokratie und Extremismus einbinden. Die Veranstaltung heute in der Nähe findet vom 24. bis 26. Januar im Thalia Theater statt.

AKTUALISIERUNG

Chaos und Kontroversen begleiten Milo Raus fiktiven Prozess gegen Deutschland

Der fiktive Prozess gegen Deutschland im Hamburger Thalia Theater hat während seiner Aufführung vom 13.-15. Februar 2026 echte Unruhen ausgelöst. Wichtige Entwicklungen waren:

  • Zuschauer attackierten einen Schauspieler, der die ehemalige AfD-Chefin Frauke Petry darstellte, was Regisseur Milo Rau veranlasste, die Zuschauer daran zu erinnern, dass es sich um eine Theateraufführung handelt.
  • Der Philosoph Rainer Mühlhoff zog sich kurz vor der Premiere aus der Produktion zurück und trug so zur logistischen Belastung des Events bei.
  • Nach Aufführungen bestätigten Kritiken, dass die dreitägige Vorstellung zum Brennpunkt für Diskussionen über Meinungsfreiheit und politisches Theater wurde.