Nitrendipin-Knappheit zwingt Patienten zu riskanten Medikamenten-Wechseln
Gustav JacobNitrendipin-Knappheit zwingt Patienten zu riskanten Medikamenten-Wechseln
Lieferengpässe bei Nitrendipin: Patienten und Ärzte suchen nach Alternativen
Patienten, die auf Nitrendipin angewiesen sind – einen weit verbreiteten Kalziumkanalblocker – leiden seit dem letzten Sommer unter anhaltenden Lieferproblemen. Betroffen sind sowohl die 10-mg- als auch die 20-mg-Dosierungen, sodass die Hersteller die aktuelle Nachfrage nicht decken können.
Ursache für die Knappheit sind Produktionsverzögerungen, über die mehrere Pharmaunternehmen berichten. Aristo etwa bestätigte, dass seine 20-mg-Nitrendipin-Tabletten mindestens bis Ende 2023 nur eingeschränkt verfügbar bleiben. Ratiopharm und Aliud Pharma erwarten dagegen, diese Dosierung bis Ende März wieder liefern zu können, während AbZ die Auslieferungen voraussichtlich erst Ende Mai wiederaufnehmen wird.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Nifedipin-ähnlichen Kalziumkanalblocker, die verhindern, dass Kalzium in die Zellen eindringt. Dadurch bleiben die Arterien entspannt und der Blutdruck unter Kontrolle. Im Gegensatz zu Amlodipin, das unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann, muss Nitrendipin nach dem Essen geschluckt werden. Lercanidipin, ein weiterer Wirkstoff dieser Klasse, wird hingegen vor dem Essen eingenommen.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Nitrendipin offiziell auf seiner Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten geführt. Das Problem spiegelt größere Versorgungsengpässe wider, die nicht nur neuere Medikamente, sondern auch ältere Präparate betreffen. Allerdings sind diese Wirkstoffe für Patienten mit Herzinsuffizienz oder solche, die sich von einem Herzinfarkt erholen, weiterhin ungeeignet.
Aufgrund der anhaltenden Lieferprobleme müssen Patienten und Ärzte nach Alternativen suchen. Da einige Hersteller in den kommenden Monaten die Produktion wieder hochfahren wollen, könnte sich die Versorgungssituation schrittweise verbessern. Bis dahin zeigt die Krise jedoch die grundsätzlichen Herausforderungen auf, eine zuverlässige Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten sicherzustellen.






