Pharma-Riesen ziehen Investitionen aus Deutschland ab – wegen der Regierungspolitik
Carolina SchleichPharma-Riesen ziehen Investitionen aus Deutschland ab – wegen der Regierungspolitik
Zwei große Pharmaunternehmen haben ihre Investitionen in Deutschland aufgrund der Regierungspolitik deutlich zurückgefahren. Boehringer Ingelheim setzt geplante Forschungsprojekte und Laborneubauten im Wert von 900 Millionen Euro aus, während Lilly sein Alzey-Projekt um die Hälfte kürzt. Branchenvertreter warnen, dass das regulatorische Umfeld in Deutschland Unternehmen dazu zwingt, nach Wachstumschancen im Ausland zu suchen.
Die Rückzüge erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung neue Sparmaßnahmen für Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung vorbereitet. Kritiker bemängeln, dass diese Politik das Vertrauen in Deutschland als Standort für Investitionen in den Lebenswissenschaften untergräbt.
Die Entscheidung von Boehringer Ingelheim betrifft eine geplante Erweiterung von Forschungs- und Laboranlagen im Umfang von 900 Millionen Euro. Als Hauptgrund für den Stopp nannte das Unternehmen das geplante Gesetz zur Einsparung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dennoch bleibt ein biopharmazeutischer Produktionsstandort für 2027 im Plan – wenn auch mit geringerer Kapazität als ursprünglich vorgesehen.
Auch Lilly reduziert sein Projekt in Alzey um etwa 50 Prozent. Durch die Kürzung geraten Investitionen in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar sowie eine beträchtliche Zahl geplanter Arbeitsplätze in Gefahr. Branchenvertreter wie Jörg Wieczorek von Pharma Deutschland kritisieren die Vorgehensweise der Regierung scharf. Der mangelnde Dialog mit der Pharmaindustrie habe das Vertrauen in Deutschland als Investitionsstandort schwer beschädigt, so Wieczorek.
Ein größerer Trend zeigt, dass Europa bei der Arzneimittelinnovation an Boden verliert. Nur 30 Prozent der 38 neuen Wirkstoffe, die die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) im vergangenen Jahr zuließ, stammten aus Europa – der Großteil kam aus den USA. Gleichzeitig erreichen rund 30 Prozent der vom US-amerikanischen FDA zugelassenen innovativen Medikamente deutsche Patienten nie. Währenddessen bauen die USA und asiatische Märkte ihre Lebenswissenschaftssektoren aggressiv aus, was Europa für Pharma- und Biotechunternehmen weniger attraktiv macht.
Pharma Deutschland und der Branchenverband vfa bewerten die Investitionsrückzüge als ernstes Warnsignal. Sie argumentieren, dass die aktuelle Politik in Deutschland weitere Unternehmen dazu drängen könnte, ihren Standort zu verlegen oder ihre Aktivitäten im Land einzuschränken.
Die Entscheidungen von Boehringer Ingelheim und Lilly unterstreichen die wachsenden Sorgen um den deutschen Pharmasektor. Geringere Investitionen bedeuten weniger Arbeitsplätze, verzögerte Forschung und eine schwächere Position in der globalen Arzneimittelentwicklung. Angesichts der Expansion der Lebenswissenschaften in den USA und Asien könnte Deutschlands Anteil an Innovation und Produktion weiter schrumpfen – es sei denn, die Politik ändert ihren Kurs.






