Proteste an der Mailänder Scala: Warum die Preiserhöhung für Zündstoff sorgt
Carolina SchleichProteste an der Mailänder Scala: Warum die Preiserhöhung für Zündstoff sorgt
Preiserhöhungen an der Mailänder Scala sorgen für Proteste – „Gentrifizierung der Oper“?
Die Ticketpreise im Mailänder Opernhaus Teatro alla Scala sind für eine kleine Anzahl exklusiver Plätze stark angestiegen. Die Erhöhung hat heftige Proteste ausgelöst, insbesondere bei den treuen Stammgästen der oberen Ränge, den sogenannten „Loggionisti". Während der jüngsten Premiere von Verdis „Carmen“ kam es zu Demonstrationen: Von der Galerie flogen Flugblätter, die gegen die Preispolitik protestierten.
Betroffen sind lediglich 36 der 531 Plätze im Haus. Die begehrten Sitzplätze kosten nun über 30 Prozent mehr, wodurch einige Abo-Preise von 800 auf 1.050 Euro gestiegen sind. Die Theaterleitung betont jedoch, dass die Auswirkungen insgesamt begrenzt blieben: Die Durchschnittspreise für Stehplätze lägen in der nächsten Saison bei 45,56 Euro und im Folgejahr bei 46,94 Euro.
Seit zehn Jahren hatte die Scala die Preise nicht erhöht. Intendant Fortunato Ortombina versprach, unter seiner Führung werde es keine weiteren Anpassungen geben. Zwar schreibt das Haus derzeit schwarze Zahlen, doch die Leitung verweist auf anstehende Tarifverhandlungen und die Kosten für die Verlegung der Werkstätten als Gründe für die Erhöhung.
Kritiker sprechen von einer „Gentrifizierung der Scala“. Die Theaterführung hält die Empörung für übertrieben und weist darauf hin, dass die Scala ohnehin bereits die höchsten Ticketpreise Europas habe – übertroffen nur vom Salzburger Festspiele-Programm.
Der Streit zeigt das Spannungsfeld zwischen finanziellen Notwendigkeiten und Tradition. Zwar betrifft die Preiserhöhung nur einen Bruchteil der Plätze, doch die Unzufriedenheit ist groß. Vorerst sind die Änderungen beschlossen – eine Rücknahme unter Ortombinas Ägide ist nicht geplant.






