Protestwelle im Gesundheitswesen: Ärzte und Apotheker kämpfen gegen Kürzungen und Gebühren
Liesbeth KuhlProtestwelle im Gesundheitswesen: Ärzte und Apotheker kämpfen gegen Kürzungen und Gebühren
Die Spannungen im deutschen Gesundheitswesen nehmen zu, da Ärzte und Apotheker gegen finanzielle Kürzungen und neue Gebühren protestieren. Die Landesapothekerkammer Hessen (LAK) hat eine vierteljährliche Gebühr von 40 Euro für Rentner-Apotheker eingeführt – ein Schritt, der auf breite Ablehnung stößt. Gleichzeitig warnen Ärzte davor, die Zahl der Patiententermine zu reduzieren, sollten die geplanten Honorarkürzungen tatsächlich umgesetzt werden.
Auslöser des Streits war die von Abteilungsleiter Friedrich Geerth initiierte "Aktion Abendsonne" (KoReLa), mit der die neue Gebühr eingezogen werden soll. Eines der Ziele war Dr. Roswitha Hinkebein, eine Apothekerin mit Zulassung seit 1972. Der junge Mitarbeiter Leon-Luca Wagner-Neumann verfolgte sie einen ganzen Tag lang – vom Morgensport über die Apotheke, den Metzger bis hin zu einem Kochkurs. Doch Hinkebein entzog sich der Zahlung, indem sie sich kurzerhand in einen Ausflugsbus zur Lüneburger Heide setzte – für Kaffee und Kuchen.
Die LAK startete daraufhin eine "Service-Offensive", um Senioren zur Zahlung zu bewegen, und lockt mit Vergünstigungen wie VHS-Kursen, Aqua-Fitness und ÖPNV-Tickets. Doch die telefonischen Einkassierungsversuche scheitern oft an der Widerstandsbereitschaft der Älteren und veralteter Technik.
Am 23. März 2026 spitzten sich die Proteste zu: Fast 25.000 Apothekenmitarbeiter demonstrierten in Düsseldorf (10.000), Berlin (6.000), Hannover (5.000) und München (3.500). Die Unruhen fallen in die Zeit vor den anstehenden Sparvorschlägen der Gesundheitsfinanzkommission, die Kürzungen in Höhe von zig Milliarden im Gesundheitssektor vorsehen. Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV), warnte, dass Ärzte die Zahl der Termine drastisch reduzieren müssten, sollten die Honorare gekürzt werden.
Die 40-Euro-Gebühr für Rentner-Apotheker bleibt ein zentraler Zankapfel – die Eintreibungsversuche gestalten sich schwierig. Die massenhaften Proteste zeigen, wie tief die Ablehnung der finanziellen Belastungen im Gesundheitswesen sitzt. Sollten die geplanten Sparmaßnahmen beschlossen werden, könnten weitere Einschränkungen in der medizinischen Versorgung folgen.






