Roger Waters klagt gegen Frankfurter Konzertabsage wegen Antisemitismus-Vorwürfen
Liesbeth KuhlRoger Waters klagt gegen Frankfurter Konzertabsage wegen Antisemitismus-Vorwürfen
Das geplante Konzert von Roger Waters in Frankfurt wurde Ende Februar abgesagt, nachdem Stadtvertreter ihm judenfeindliche Hetze vorwarfen. Die Entscheidung folgte auf jahrelange Kritik an seiner Haltung zu israelischer Politik und seiner Unterstützung für die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS). Waters wies die Vorwürfe zurück und betonte, seine Kritik richte sich gegen die israelische Regierung, nicht gegen jüdische Menschen oder deren Religion.
Die Absage löste eine Welle des Protests aus: Eine Petition zur Rücknahme der Entscheidung sammelte bereits über 32.000 Unterschriften. Nun hat Waters rechtliche Schritte eingeleitet und beantragt eine einstweilige Verfügung gegen den Beschluss des Stadtrats.
Die Frankfurter Stadtverwaltung und die hessische Landesregierung begründeten die Absage mit Waters' "anhaltendem antiisraelischem Verhalten". Als Belege führten sie seine öffentlichen Aufrufe an Künstler, Israel zu boykottieren, sowie seine Vergleiche israelischer Politik mit Apartheid an. Der Fall stellt einen seltenen Präzedenzfall dar, bei dem eine Großveranstaltung wegen politischer Positionen verboten wurde – in den vergangenen fünf Jahren hatte keine andere deutsche Stadt vergleichbare Maßnahmen ergriffen.
Als Reaktion starteten die Journalistin Katie Halper und der Wissenschaftler Vijay Prashad eine Petition, in der sie die Absage als Angriff auf die Meinungsfreiheit brandmarkten. Sie argumentierten, Waters' Standpunkte entsprächen gängigen menschenrechtlichen Positionen, und warfen den Behörden vor, Kritik an Israel pauschal mit Antisemitismus gleichzusetzen. Prominente Unterstützer aus den Reihen von Musikern, Akademikern und Journalisten schlossen sich der Kampagne an.
Waters hat inzwischen Klage eingereicht und eine einstweilige Verfügung gegen den Stadtrat beantragt. Eine gerichtliche Entscheidung wird bis Freitag erwartet. Unterdessen warnen seine Anhänger, dass die Unterdrückung abweichender Meinungen zu israelischer Politik ein gefährliches Vorbild für künstlerische und politische Äußerungsfreiheit schaffen könnte.
Der Streit verdeutlicht die Spannungen zwischen Meinungsfreiheit und Antisemitismus-Vorwürfen in der Debatte um Israel. Waters' juristischer Vorstoß wird entscheiden, ob das Konzert stattfindet, während der Erfolg der Petition auf breite Ablehnung der Absage hindeutet. Das Ergebnis könnte prägen, wie deutsche Behörden künftig mit ähnlichen Fällen umgehen.






