28 March 2026, 22:17

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Lohnerhöhungen – doch Ausbeutung bleibt Alltag

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Landwirtschaftliche Arbeit Stromversorgung auf dem Land" auf einem weißen Hintergrund, umrandet von einem schmalen schwarzen Rand, mit einer Grafik eines Bauernhofs mit einem Traktor und einem Scheunen.

Saisonarbeiter in der Landwirtschaft: Lohnerhöhungen – doch Ausbeutung bleibt Alltag

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft müssen weiterhin harte Bedingungen ertragen – trotz jüngster Lohnerhöhungen für einen Teil von ihnen. Berichte zeigen, dass überlange Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und überbelegte Unterkünfte nach wie vor weit verbreitet sind. Nun fordern Landwirte sogar noch niedrigere Löhne für ausländische Arbeitskräfte, was Befürchtungen vor einer weiteren Ausbeutung schürt.

2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch offizielle Statistiken erfassen weder ihre genaue Zahl noch ihre Herkunftsländer. Zwar stammen viele aus Rumänien, Bulgarien oder Kasachstan, doch umfassende Daten fehlen.

Die Arbeitsbedingungen auf zahlreichen Höfen bleiben prekär. Untersuchungen deckten wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 70 Stunden auf, dazu illegale Abzüge von fast 1.000 Euro vom Lohn. In einem Fall wurde in Hessen ein 15 Quadratmeter großer Frachtcontainer für über 2.000 Euro monatlich als Arbeiterunterkunft vermietet.

Ein neuer Tarifvertrag sieht für landwirtschaftliche Beschäftigte eine Lohnerhöhung von etwa 10 Prozent über 33 Monate vor. Ungelernte Saisonarbeiter erhalten jedoch in den ersten vier Monaten weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn. Die Kontrolle dieser Regelungen hat deutlich nachgelassen: Die Zahl der Betriebsprüfungen sank von knapp 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024.

Der Deutsche Bauernverband fordert nun einen Abschlag von 20 Prozent auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte. Einige politische Parteien unterstützen den Vorstoß mit dem Argument, dies entlaste die Betriebe finanziell. Kritiker warnen jedoch, dass dies die Ausbeutung in einer Branche verschärfen könnte, die bereits von systematischen Arbeitsrechtsverstößen geprägt ist.

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Der gesetzliche Mindestlohn bietet kaum Schutz, solange die Durchsetzung schwächelt. Bei rückläufigen Kontrollen und anhaltenden Lohnkürzungen bleiben Saisonarbeiter weiter Risiken ausgesetzt. Der Druck auf noch niedrigere Löhne könnte die Ungleichheit vertiefen – es sei denn, es gibt strengere Überwachungsmechanismen.

Quelle