Theater hinter Gittern: Wie Wiesbadener Gefangene auf der Bühne Freiheit finden
Carolina SchleichTheater hinter Gittern: Wie Wiesbadener Gefangene auf der Bühne Freiheit finden
Ein einzigartiges Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden
Seit über einem Jahrzehnt bietet ein besonderes Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden jungen Inhaftierten die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. In diesem Jahr versammelten sich rund 80 Zuschauer, um die neueste Produktion zu sehen – Teil einer langjährigen Initiative, an der seit 2008 bereits mehr als 200 Gefangene mitgewirkt haben. Das vom hessischen Justizministerium geförderte Programm setzt auf Kunst als Mittel der Resozialisierung.
Die Theatergruppe der Anstalt führte DNA auf, ein Stück des britischen Dramatikers Dennis Kelly, das unter der Regie von Matze Vogel ausgewählt wurde. Die Inszenierung thematisiert Gruppendynamiken unter Jugendlichen und zeigt, wie Konflikte in Gewalt eskalieren können. Jährlich wird ein Stück einstudiert und aufgeführt – alle zehn Vorstellungen sind jeweils innerhalb weniger Tage ausverkauft.
Die Justizvollzugsanstalt beherbergt Deutschlands erste und einzige feste Studiobühne in einem Gefängnis. Seit 2008 nehmen Inhaftierte zwischen 20 und 24 Jahren an den jährlichen Produktionen teil. Michaela Wasemüller, die Anstaltsleiterin, betont, wie das Theater jungen Straftätern hilft, soziales Verantwortungsbewusstsein und emotionale Kompetenz zu entwickeln.
Für die Schauspieler geht das Erlebnis weit über die reine Darstellung hinaus. Ein Inhaftierter, der sich nur als J. vorstellt, beschreibt, wie das Theater ihm ein Gefühl von Freiheit vermittelt. Ein anderer, E., erklärt, dass das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen ihm helfe, die eigenen Gefühle besser zu verstehen.
Das Projekt bleibt eine wichtige Säule der Resozialisierung in der Wiesbadener JVA: Es bietet den jungen Gefangenen nicht nur einen kreativen Ausgleich, sondern vermittelt auch Fähigkeiten für das Leben nach der Entlassung. Dank des großen Zuschauerinteresses und der kontinuierlichen Förderung durch die Landesregierung bleibt die Initiative ein zentraler Baustein der Rehabilitation. Jede Aufführung unterstreicht aufs Neue, wie Kunst persönliches Wachstum bei Inhaftierten fördern kann.






