07 May 2026, 14:13

Vergessenes jüdisches Erbe: Wie die DDR Halberstadts Geschichte verschweigt

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, mit zahlreichen weißen und blauen rechteckigen Betonsteinen in einem Gittermuster.

Vergessenes jüdisches Erbe: Wie die DDR Halberstadts Geschichte verschweigt

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit

In „Verleugnetes Erbe“ zeigt Graf, wie die antifaschistischen Politik der DDR Versagen bei der Aufarbeitung von Antisemitismus und autoritären Strukturen offenbart. Die Studie beleuchtet zudem die Zerstörung einer einst blühenden jüdischen Gemeinde zwischen 1938 und 1942.

Halberstadts jüdische Bevölkerung, einst ein Zentrum des Neo-Orthodoxen Judentums, wurde unter der NS-Herrschaft systematisch vernichtet. Die Zerstörung der Synagoge 1938 markierte den Beginn ihrer Auslöschung, wie der Historiker Martin Gabriel festhält. Bis 1942 waren fast alle jüdischen Einwohner deportiert oder ermordet – 1961 lebte mit Willy Calm nur noch ein Überlebender in der Stadt, der offiziell als letzter Vertreter der Gemeinde galt.

In der Nähe wurde das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge während des Krieges als Zwangsarbeitslager genutzt. Nach der Befreiung entstand 1949 eine Gedenkstätte für die Opfer. Zwei Jahrzehnte später, 1969, wurde der Ort zu einer Kulisse für politische Gelöbnisse umgebaut – direkt über den Gräbern der Häftlinge. Zeitgleich nutzte die DDR die unterirdischen Stollen des Lagers als Militärdepot für die Nationale Volksarmee.

Trotz antifaschistischer Rhetorik fand die jüdische Erfahrung kaum Beachtung. Seltene Einblicke boten Romane wie die von Peter Edel und Jurek Becker, die 1969 erschienen. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati ließ sich 1952 in Ost-Berlin nieder und veröffentlichte drei Schallplatten – eine der wenigen sichtbaren jüdischen Kulturbeiträge in der DDR.

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Grafs Buch argumentiert, dass der sozialistische Staat hinter seiner linken Fassade Antisemitismus und autoritäre Kontrolle perpetuierte. Er fordert eine kritische Neubewertung der DDR-Politik, die ihre eigene Mittäterschaft bei der Unterdrückung jüdischer Geschichte ignorierte.

Die Vernichtung der Halberstädter jüdischen Gemeinde bleibt ein eindringliches Beispiel für die Lücken in der DDR-Geschichtsschreibung. Grafs Arbeit widerlegt den Mythos einer „antifaschistisch reinen“ DDR, indem sie die Vernachlässigung jüdischen Erbes aufzeigt. Zudem zeigt das Buch, wie Orte wie Langenstein-Zwieberge für Staatspropaganda umfunktioniert wurden – statt als authentische Erinnerungsstätten.

Quelle