Wie das Café Amélie in Gießen seit 15 Jahren Aktivismus und Wirtschaft vereint
Carolina SchleichWie das Café Amélie in Gießen seit 15 Jahren Aktivismus und Wirtschaft vereint
Ein einzigartiges Kooperativen-Café in Gießen verbindet seit über 15 Jahren Wirtschaft mit Aktivismus
Das Café Amélie, gelegen im Gewerkschaftshochhaus an der Walltorstraße, wurde 2007 von Aktivist:innen gegründet, die sich gegen Studiengebühren engagierten. Heute funktioniert es als unabhängiges Wirtschaftsunternehmen mit einem starken Fokus auf Solidarität und kostenfreie Bildung.
Was als Protestprojekt begann, entwickelte sich schnell zu einer sich selbst tragenden Genossenschaft. Anders als ein klassischer Verein arbeitet das Café als Betrieb, in dem alle Mitarbeiter:innen denselben Mindestlohn erhalten. Wer mitmachen möchte, muss innerhalb des ersten Jahres mindestens 100 Euro in Anteile investieren – so wird die finanzielle Verbundenheit der Beteiligten sichergestellt.
Die Gewinne des Cafés werden nicht an Eigentümer:innen ausgeschüttet, sondern fließen in Projekte, die seinem Leitbild entsprechen. Dazu gehören die Unterstützung sozialer Einrichtungen und die Ausrichtung von Veranstaltungen für einkommensschwache Familien. Der Raum dient regelmäßig als Plattform für Podiumsdiskussionen, Vorträge, Kunstausstellungen, Filmabende und Livemusik – und ist damit zu einem kulturellen Zentrum der Stadt geworden.
Trotz seines Namens und Standorts ist das Café Amélie unabhängig von Gewerkschaften. Sein Wirken konzentriert sich auf genossenschaftliche Wirtschaftsmodelle und gemeinwohlorientiertes Engagement, nicht auf formale Gewerkschaftsbindungen. Zwar gibt es ähnliche Initiativen in anderen deutschen Städten, doch keine hat bisher dieselbe Bekanntheit und Dokumentation erreicht wie dieses Gießener Projekt.
Das Café Amélie bleibt ein Vorbild für solidarisches Wirtschaften. Durch die Reinvestition von Gewinnen und gleiche Bezahlung fördert es soziale Anliegen und kulturelle Veranstaltungen gleichermaßen. Die Genossenschaft zeigt beispielhaft, wie Aktivismus und Ökonomie in der Praxis Hand in Hand gehen können.






