Wie ein Frankfurter Verlag mit schwierigen Themen Kinderbücher zum Erfolg macht
Malte KrauseWie ein Frankfurter Verlag mit schwierigen Themen Kinderbücher zum Erfolg macht
Ein kleiner Frankfurter Verlag baut mit schwierigen Themen eine erfolgreiche Kinderbuchsparte auf
Der Mabuse Verlag, bekannt für seine Titel zu Gesundheit und Medizin, erzielt heute 40 Prozent seines Umsatzes mit Kinderbüchern – obwohl diese nur einen Bruchteil seines 450 Titel umfassenden Programms ausmachen. Den Anfang machte eine einzige Geschichte über ein Kind, das mit der psychischen Erkrankung seiner Mutter zurechtkommen muss.
2011 schrieb die Sozialpädagogik-Studentin Shirin Homeier Sonnentraurige Tage, ein Bilderbuch über die neunjährige Mona, die sich mit der Depression ihrer Mutter und ihrer eigenen Angst auseinandersetzt, selbst schuld zu sein. Homeier stützte sich auf ihre Arbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern, doch Verleger Hermann Löffler stand dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber. Damals wurden psychische Gesundheitsthemen selten aus Kindersicht behandelt. Seine Frau, eine Psychologin in der psychiatrischen Versorgung, bestand jedoch auf der Bedeutung des Buches – mit dem Argument, dass junge Familienmitglieder oft stumm leiden.
Das Buch verkaufte sich rund 25.000 Mal und bewies, dass es eine Nachfrage gab. Mabuse baute seine Kinderbuchreihe aus, die heute etwa 60 Titel umfasst. Die meisten folgen einem ähnlichen Konzept: eine illustrierte Geschichte, kombiniert mit fachlichen Erklärungen. Die Themen reichen von ADHS und Demenz bis hin zu chronischen Krankheiten wie Diabetes und Krebs.
In den letzten fünf Jahren haben immer mehr deutsche Verlage Kinderbuchreihen zu Gesundheit und Psychologie auf den Markt gebracht. Beltz' Reihe Kopfüber behandelt Ängste und Depressionen, Ravensburgers Gesundheit für Kids chronische Erkrankungen und Oetingers Mein Körper, meine Gefühle ADHS und Autismus. Mabuse' aktueller Bestseller, Ist das okay so?, ein Ratgeber zur Prävention sexualisierter Gewalt von Agota Lavoyer und Anna-Lina Balke, erreichte ebenfalls eine Auflage von etwa 25.000 Exemplaren.
Trotz dieses Schwerpunkts veröffentlicht der Verlag weiterhin Bücher zu seinen traditionellen Themen wie Medizingeschichte, Pflege und politischer Beratung. Doch die Kinderbücher tragen mittlerweile fast die Hälfte zum Umsatz bei.
Was mit einem einzigen Buch über die Herausforderungen von Kindern in Familien mit psychischen Erkrankungen begann, ist heute eine 60 Titel starke Reihe, die jungen Leser:innen hilft, komplexe Gesundheitsthemen zu verstehen – und gleichzeitig einen beträchtlichen Teil des Verlagsumsatzes sichert. Der Erfolg spiegelt einen größeren Trend wider: Immer mehr deutsche Verlage entwickeln spezielle Kinderbücher zu psychologischen und medizinischen Themen.






