17 April 2026, 10:12

Winzige Zikade bringt Deutschlands Landwirtschaft in Bedrängnis

Ein altes Buch mit einer Zeichnung einer Heuschrecke auf dem Cover, das Text enthält.

Winzige Zikade bringt Deutschlands Landwirtschaft in Bedrängnis

Ein winziges Insekt verändert Deutschlands Agrarpolitik: Die Schilf-Glasflügelzikade, auch Rohrglanzzikade genannt, breitet sich in Monokulturen aus und entfacht eine Debatte über Pestizideinsatz und Pflanzenschutzregeln. Landwirte und Politiker streiten nun darüber, wie die wachsende Bedrohung für wichtige Kulturen wie Zuckerrüben und Kartoffeln einzudämmen ist.

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Die Rohrglanzzikade (Hyalesthes obsoleta) gedeiht in modernen Anbausystemen mit großen, eintönigen Feldern und schnellen Erntezyklen. Ihre Larven überwintern im Boden, ernähren sich von Wurzeln, während die ausgewachsenen Tiere Pflanzenkrankheiten verbreiten, die die Erträge schwächen. Da sich die Erreger nicht direkt bekämpfen lassen, sind Landwirte auf chemische Mittel angewiesen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt, dass ohne Pestizide Grundnahrungsmittel aus der heimischen Produktion verschwinden könnten. DBV-Präsident Joachim Rukwied betont, dass befallene Kulturen geschützt werden müssen, um Ertragsausfälle und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Gleichzeitig hat die EU Neonikotinoide – wichtige Insektizide – wegen Risiken für Bestäuber eingeschränkt, erlaubt aber in Notfällen weiterhin ihren Einsatz gegen die Zikade.

Der politische Druck wächst, die Zulassung von Pestiziden zu reformieren. Der DBV fordert dauerhafte Genehmigungen für Wirkstoffe und verweist auf den "Verlust von Wirkstoffen" als zentrales Problem. In Sachsen-Anhalt mischt sich die agrarpolitische Sprecherin der Linken, Wenke Dargel – selbst Pflanzenwissenschaftlerin und ehemalige Landarbeiterin – vor den Landtagswahlen in die Diskussion ein. Ihr Werdegang verdeutlicht den Konflikt zwischen ökologischen Lösungen und dem Bedürfnis der industriellen Landwirtschaft nach Planbarkeit.

Alternativen wie vielfältige Fruchtfolgen oder gemischte Anbauflächen existieren, bleiben aber die Ausnahme. Globale Lieferketten und standardisierte Verarbeitung begünstigen Monokulturen, die wiederum Schädlingsausbrüche fördern. Das aktuelle System setzt auf Geschwindigkeit, Einheitlichkeit und Profit – Faktoren, die Kritiker als Treiber für die Ausbreitung der Rohrglanzzikade sehen.

Der Aufstieg der Zikade offenbart die Schwächen des deutschen Agrarmodells. Landwirte stehen vor der Wahl zwischen strengeren Pestizidgrenzen oder der weiteren Abhängigkeit von chemischen Notfalllösungen. Angesichts hoher politischer und wirtschaftlicher Interessen wird die Debatte sowohl die Pflanzenschutzpolitik als auch die Zukunft der Nahrungsmittelproduktion im Land prägen.

Quelle