Zwei Statuen, zwei Erinnerungen: Wie Deutschland und die USA ihre Vergangenheit bewältigen
Malte KrauseZwei Statuen, zwei Erinnerungen: Wie Deutschland und die USA ihre Vergangenheit bewältigen
Zwei Statuen, aus sehr unterschiedlichen Gründen errichtet, stehen heute als historische Markierungspunkte auf beiden Seiten des Atlantiks. In Brandenburg, Deutschland, erinnert eine Figur aus Cortenstahl an die Opfer von Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs. Unterdessen wurde in Washington D.C. eine Statue von Christoph Kolumbus in der Nähe des Weißen Hauses aufgestellt – mitten in den anhaltenden Debatten über die koloniale Vergangenheit.
Die Brandenburger Statue wurde 2018 auf dem Gut Neuendorf im Sande enthüllt. Sie symbolisiert die Menschen, die unter der NS-Herrschaft zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, darunter Jutta Baumwol, die später nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Ihr Bruder initiierte das Projekt, um sicherzustellen, dass ihr Leid nicht in Vergessenheit gerät. Die Skulptur aus wetterfestem Stahl ruht auf einem von Ameisen bedeckten Baumstumpf am Eingang des Anwesens. Besucher – darunter Radfahrer und Geocacher – verweilen dort oft am Holocaust-Gedenktag und zum Jahrestag der Befreiung.
Auf der anderen Seite des Ozeans ordnete der damalige US-Präsident Donald Trump im Juli 2020 die Aufstellung einer Christoph-Kolumbus-Statue an. Platziert auf der Nordseite des Eisenhower Executive Office Building, war dies eine direkte Reaktion auf Proteste, die die Entfernung kolonialer Denkmäler forderten. Italienisch-amerikanische Gruppen unterstützten den Schritt mit dem Argument, er feiere ihr kulturelles Erbe. Kritiker hingegen sahen darin den Versuch, die gewaltsame koloniale Vergangenheit der USA in einer Phase nationaler Aufarbeitung zu verharmlosen.
Die beiden Statuen erfüllen heute unterschiedliche Zwecke. Die eine bietet einen stillen Ort der Besinnung über Kriegsgräuel, während die andere ein zentraler Streitpunkt in der Auseinandersetzung mit dem historischen Gedächtnis bleibt. Beide stehen als sichtbare Mahnmale dafür, wie Gesellschaften sich ihrer Vergangenheit stellen – oder sie verdrängen.






