Apotheker und Ärzte liefern sich erbitterten Streit um Impfungen und Kompetenzen
Liesbeth KuhlApotheker und Ärzte liefern sich erbitterten Streit um Impfungen und Kompetenzen
Ein hitziger Streit ist zwischen Apothekern und Ärzten über die Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen entbrannt. Marietheres Reher-Gremme, eine führende Apothekerin, hat die jüngsten Äußerungen des KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Gassen scharf kritisiert, der die Fachkompetenz von Apothekern bei medizinischen Verfahren infrage stellte. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen Impfungen, Arzneimittelsicherheit und die Zukunft apothekenbasierter Dienstleistungen in Deutschland.
Ausgelöst wurde die Auseinandersetzung durch Gassens Ablehnung einer Ausweitung von Impfungen in Apotheken. Er warnte davor, dass nicht evidenzbasierte Tests durch sogenannte "medizinische Laien" Risiken bergen könnten. Reher-Gremme konterte entschlossen und betonte, dass Apotheker keineswegs unqualifiziert seien. Sie verwies auf ihre fundierte Ausbildung in Pharmakologie und klinischer Pharmazie und unterstrich ihre Expertise im sicheren Umgang mit Medikamenten.
Auch Gassens Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes wies Reher-Gremme zurück. Sie erklärte, Apotheker seien sich der Resistenzgefahren bewusst und gingen verantwortungsvoll mit solchen Arzneimitteln um. Darüber hinaus hob sie ihre weiteren Beiträge hervor, etwa die Verringerung von Nebenwirkungen und die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit in Krankenhäusern.
Die Pandemie markierte einen Wendepunkt für die Dienstleistungen von Apotheken. Seitdem haben Impfungen in Apotheken dazu beigetragen, die Impfquoten bei COVID-19 und Grippe zu stabilisieren oder sogar leicht zu steigern. Zwar liegen die Gesamtzahlen bei einigen Impfungen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie, doch Apotheken verzeichnen mittlerweile etwa 20–30 Prozent der Grippeimpfungen und einen wachsenden Anteil an COVID-Auffrischungsimpfungen. Besonders in unterversorgten Regionen kommt ihre gute Erreichbarkeit den Menschen zugute.
Reher-Gremme plädierte für eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern. Sie betonte, dass viele Mediziner den Mehrwert der Kooperation mit Apotheken bereits erkannt hätten – insbesondere nach der reibungslosen Durchführung von Impfkampagnen während der Pandemie. In dieser Phase seien keine medizinischen Zwischenfälle oder Komplikationen gemeldet worden.
Die Spannungen erstrecken sich auch auf die Gesundheitspolitik. Die KBV lehnt den geplanten Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) weiterhin ab, während Gassen die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) kritisiert, die Festbeträge für Apotheken zu erhöhen, ohne ähnliche Unterstützung für Arztpraxen vorzusehen. Reher-Gremme hingegen forderte einen offenen Dialog, um ein stärkeres und widerstandsfähigeres Gesundheitssystem aufzubauen.
Der Schlagabtausch offenbart tiefe Gräben über die Zukunft der Apothekendienstleistungen in Deutschland. Während Apotheker ihre erweiterte Rolle als sicher und wirksam – insbesondere bei Impfungen – verteidigen, zeigen sich die Ärztevertreter skeptisch, Verantwortung von Hausärzten zu verlagern. Wie dieser Streit ausgeht, könnte maßgeblich prägen, wie Gesundheitsleistungen in den kommenden Jahren erbracht werden.






