Dokumentarfilm "Das deutsche Volk" konfrontiert Deutschland mit den Folgen des Hanau-Anschlags
Liesbeth KuhlWird Rassismus immer noch nicht ernst genommen? - Dokumentarfilm "Das deutsche Volk" konfrontiert Deutschland mit den Folgen des Hanau-Anschlags
Ein kraftvoller neuer Dokumentarfilm, "Das deutsche Volk", lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf den Hanau-Anschlag von 2020 und seine Folgen. Unter der Regie von Marcin Wierzchowski begleitet der Film die Angehörigen der Opfer über fast fünf Jahre hinweg auf ihrem Weg nach Gerechtigkeit und bei der Auseinandersetzung mit systemischen Versäumnissen. Seine Premiere feierte er auf der Berlinale 2025, gewann anschließend den Hessischen Filmpreis und wurde auf 3sat ausgestrahlt.
Der Anschlag von Hanau ereignete sich am 19. Februar 2020, als ein rechtsextremer Attentäter neun Menschen mit Migrationshintergrund tötete und sechs weitere verletzte. Der Täter handelte aus rassistischer Hassmotivation – ein weiterer gewalttätiger Vorfall in einer langen Reihe solcher Angriffe in Deutschland, zu der auch die NSU-Morde, die Brandanschläge von Mölln und der Anschlag auf die Synagoge in Halle zählen.
Wierzchowski begann unmittelbar nach der Tat mit den Dreharbeiten. Über viereinhalb Jahre dokumentierte er, wie sich die Trauer der Familien in Wut verwandelte. Sie warfen den Behörden vor, die rassistischen Hintergründe des Anschlags herunterzuspielen und keine präventiven Maßnahmen ergriffen zu haben.
Die Angehörigen der Opfer schlossen sich zu einer Arbeitsgruppe zusammen, um für Aufklärung und Konsequenzen zu kämpfen. Ihre Bemühungen deckten Mängel auf – von den Ermittlungen im Einzelfall bis hin zu strukturellen Defiziten im Umgang mit rechtsextremer Gewalt. Der Film stellt unbequeme Fragen: Hätte der Anschlag verhindert werden können? Warum wurden Warnsignale ignoriert?
"Das deutsche Volk" hatte seine TV-Premiere am 18. März um 20:15 Uhr auf 3sat. Wierzchowskis Werk erzählt nicht nur vom Anschlag, sondern analysiert die gefährlichen Folgen ungebremsten Rassismus' und des Glaubens an die eigene Überlegenheit.
Der Dokumentarfilm hat die Debatte über Rassismus, institutionelles Versagen und die Notwendigkeit von Verantwortung in Deutschland neu entfacht. Indem er den Familien eine Stimme gibt, sorgt Wierzchowskis Film dafür, dass die Opfer nicht in Vergessenheit geraten – und fordert die Verantwortlichen zugleich auf, die Missstände zu bekämpfen, die den Anschlag erst ermöglichten.






