03 April 2026, 14:13

EMAF-Festival in Osnabrück steht wegen umstrittenem Film in der Kritik

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF-Festival in Osnabrück steht wegen umstrittenem Film in der Kritik

Europäisches Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück gerät wegen Filmvorführung in die Kritik

Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit scharfer Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, den Kurzfilm Morning Circle der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour – bekannt unter ihrem Künstlernamen Al-Sharif – zu zeigen. Der Streit entzündet sich an Vorwürfen des Antisemitismus sowie ihrer Unterstützung für die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS). Trotz der Kontroverse hält das Festival an der Aufführung fest und betont die langjährige Zusammenarbeit mit der Künstlerin.

Die Debatte hat lokale Politiker, Kulturverantwortliche und Förderinstitutionen in die Diskussion einbezogen und zeigt, wie tief die Gräben in Deutschland in Fragen der künstlerischen Freiheit und politischen Meinungsäußerung sind.

Al-Sharif wird vorgeworfen, antisemitische Positionen zu verbreiten und sich mit der BDS-Bewegung zu solidarisieren, die 2005 gegründet wurde. Zwar wird sie von linken NGOs in Deutschland unterstützt, doch Kritiker – darunter Antisemitismusforscher – verweisen auf das erklärte Ziel der Gründer, den Staat Israel abzuschaffen. Zudem ziehen sie Parallelen zu historischen Judenboykotten während der NS-Zeit, was die BDS-Bewegung in der deutschen Debatte besonders umstritten macht.

Das EMAF verteidigt seine Entscheidung und betont, dass Al-Sharifs Filme seit Jahren auf dem Festival gezeigt werden. Ihre Werke seien nicht isoliert ausgewählt worden, sondern wurden in der Vergangenheit auch von jüdischen Israelis unterstützt, die an der Programmgestaltung beteiligt waren. Die künstlerische Leiterin des Festivals, Katrin Mundt, bezeichnet den Fall als Prüfstein für das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und institutioneller Verantwortung.

Rechtsexperten bestätigen, dass die Festivalleitung das volle Recht habe, den Film in ihr Programm aufzunehmen. Al-Sharifs Aktivitäten in sozialen Medien – darunter ein Halloween-Foto mit einem Kostüm, das ein rotes Dreieck zeigt – fallen unter die Meinungsfreiheit, auch wenn die Deutungen umstritten bleiben. Unterdessen haben sich sowohl die Stadt Osnabrück als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) öffentlich von der Festivalentscheidung distanziert.

Osnabrück fördert das EMAF mit jährlich rund 150.000 Euro, doch die Verantwortlichen betonen, dass die finanzielle Unterstützung durch die Kontroverse nicht gefährdet sei. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, argumentiert, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen im Namen des Kampfes gegen Antisemitismus kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage. Das Festival selbst hat eine Tradition darin, vielfältige Perspektiven zu präsentieren – darunter auch jüdische und israelische Künstler neben palästinensischen Beitragenden.

Die Vorstellung von Morning Circle wird wie geplant stattfinden. Das EMAF bleibt bei seiner Haltung zur künstlerischen Unabhängigkeit. Zwar ist die Finanzierung des Festivals nicht in Gefahr, doch der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung, politischem Aktivismus und den Grenzen des sagbaren Diskurses in Deutschland.

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Stadt- und Landespolitiker haben ihre Ablehnung klar zum Ausdruck gebracht, doch das rechtliche Recht des Festivals, den Film zu zeigen, wird nicht infrage gestellt. Der Fall spiegelt die größeren gesellschaftlichen Debatten wider, die sich mit der Frage beschäftigen, welche Rolle Kunst bei der Auseinandersetzung mit – oder der Vermeidung von – politisch brisanten Themen spielen soll.

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