Energiewende in Deutschland: Reformstau bei Netzentgelten bremst Industrie und Speichermarkt aus
Liesbeth KuhlEnergiewende in Deutschland: Reformstau bei Netzentgelten bremst Industrie und Speichermarkt aus
Deutschlands Energiesektor kämpft mit Verzögerungen und Unsicherheiten, während die Reform des Netzentgelt-Systems stockt. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hatte im Juni 2024 eine öffentliche Konsultation gestartet, doch die Diskussionen über zentrale Vorschläge – darunter Rabatte für Industriekunden – ziehen sich bis 2026 hin. Gleichzeitig leidet der Batteriespeichermarkt unter rechtlichen Grauzonen, Anbindungshürden an die Netze und steigenden Kosten nach einem aktuellen Gerichtsurteil zu Subventionen.
Die Neugestaltung der Netzentgelte, bekannt als AgNes, sollte eigentlich Klarheit für Industrieverbraucher nach §19 StromNEV schaffen. Doch noch im September 2025 waren die Verhandlungen im Gange, wobei Branchenverbände wie DIE PAPIERINDUSTRIE eine zehnjährige Übergangsphase bis 2038 forderten. Zudem schlagen sie schrittweise Flexibilitätsanforderungen vor, beginnend bei 5 % bis 2038, während der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) auf Rechtssicherheit und Anreize für Netzbetreiber pocht. Die Verzögerungen bei der Finalisierung der Reformen lassen Großverbraucher jedoch in der Schwebe.
Parallel dazu sieht sich der Batteriespeichersektor mit eigenen Rückschlägen konfrontiert. Über 450 Experten trafen sich beim Battery Business Development Forum in Frankfurt, um die Marktprobleme zu erörtern – darunter langwierige Netzanschlussverfahren. Viele Netzbetreiber zögern, neue Speichersysteme zu genehmigen, was Forderungen nach mehr Zusammenarbeit laut werden lässt, etwa von Enerparcs Stefan Müller. Die befristete Befreiung von Netzentgelten für Speicherprojekte, die bis August 2029 angeschlossen werden, erhöht den Druck, da die künftige Gebührenstruktur unklar bleibt.
Projektentwickler passen sich an, indem sie auf Co-Location setzen – die Kombination von Batteriespeichern mit Solaranlagen. Dennoch bleiben regulatorische Hürden bestehen. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs zu Baufördermitteln hat die Kosten in die Höhe getrieben, auch wenn die meisten Entwickler dies mittlerweile in ihren Planungen berücksichtigen. Xenia Ritzkowsky von Enervis Energy Advisors rät, sich auf worst-case-Szenarien einzustellen angesichts der anhaltenden Unsicherheiten.
Die zähen Netzentgelt-Reformen und ungelösten Rechtsfragen schaffen ein schwieriges Umfeld für die deutsche Energiewende. Industriekunden warten auf Klarheit über langfristige Rabatte, während Batteriespeicherprojekte mit Anschlussverzögerungen und Kostendruck kämpfen. Ohne beschleunigte Fortschritte in der Regulierung drohen beiden Sektoren weitere Rückschläge bei der Erreichung der Ziele bis 2029.






