Wiesn-Gottesdienst: Wo Andacht und Oktoberfest aufeinandertreffen
Carolina SchleichWiesn-Gottesdienst: Wo Andacht und Oktoberfest aufeinandertreffen
Jedes Jahr während des Münchner Oktoberfests findet im Marstall-Zelt eine einzigartige Tradition statt: der Wiesn-Gottesdienst. Diese Veranstaltung hebt sich als lebendiger, doch spiritueller Moment aus dem sonstigen Festtreiben ab. Die Versammlung bietet einen ungewöhnlichen Anblick: einen Pfarrer ohne Kirche und eine dorfähnliche Atmosphäre ohne festen Platz.
Der Gottesdienst entfaltet sich im Marstall-Zelt, wo das übliche Festgetümmel hymnischen Gesängen und Gebeten weicht. Irgendwann erschallt ein Halleluja von der Bühne, auf der sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester spielt. Die Menge, die sonst in dem Bierzelten sitzt, erhebt sich und stimmt gemeinsam Lobt den Herrn! an.
Nur sechs Männer nehmen am Weinritual teil, jeder trinkt aus demselben goldenen Kelch. Einer von ihnen tritt ans Mikrofon und spricht: Und führe uns nicht in Versuchung. Die Szene vereint Hingabe und Kameradschaft, verbindet Tradition mit dem festlichen Geist des Oktoberfests.
Diese jährliche Veranstaltung, die in der ersten Festwoche stattfindet, bleibt ein besonderes Schauspiel innerhalb des größeren Festes. Sie zeigt eine Seite des Oktoberfests, die über Bier und Musik hinausgeht – eine Gemeinschaft, die sich an einem ungewöhnlichen Ort versammelt.
Der Wiesn-Gottesdienst bleibt ein prägender Bestandteil des Münchner Oktoberfests. Er verbindet Glauben und Fest in einem Zelt, das für kurze Zeit zu einem Ort der Andacht wird. Die Tradition lebt weiter und schenkt den Besuchern einen Moment der Besinnung mitten im Festgeschehen.






