Antisemitismus-Vorwurf auf der documenta 15: Prozess um umstrittenes Banner geht weiter
Liesbeth KuhlAntisemitismus-Vorwurf auf der documenta 15: Prozess um umstrittenes Banner geht weiter
Der Rechtsstreit um ein mutmaßlich antisemitisches Kunstwerk auf der documenta 15 wird im April fortgesetzt. Bernadette Gottschalk, eine Jüdin aus Laatzen, verklagt die Ausstellung auf 1.500 Euro Schadensersatz. Im Mittelpunkt des Falls steht ein acht mal zwölf Meter großes Banner des indonesischen Kollektivs Taring Padi, das nach seiner Präsentation für Empörung sorgte.
Die Kontroverse begann, als das Banner – darauf unter anderem der Kopf eines Schweins mit einem Helm, beschriftet mit "Mossad" – auf der documenta 15 gezeigt wurde. Kritiker verurteilten das Werk weitgehend als antisemitisch, woraufhin die Veranstalter es zunächst verhängten und später vollständig entfernten. Die Aufregung führte zum Rücktritt der documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann.
Taring Padi entschuldigte sich später für die durch das Kunstwerk verursachte Betroffenheit. Gottschalk bot daraufhin an, ihre Klage fallen zu lassen, falls die documenta öffentlich Bedauern äußere und 250 Euro an eine jüdische Organisation spende. Die Ausstellungsverantwortlichen lehnten den Vergleich jedoch ab und bestanden auf eine gerichtliche Klärung, um die rechtlichen Grenzen der Kunstfreiheit in solchen Fällen zu definieren.
Der Prozess, der am 15. April fortgesetzt wird, hat bereits jetzt weitreichende Folgen. Der Streit hat den Ruf der documenta schwer beschädigt und wirft die Frage auf, wie künftige Ausstellungen mit umstrittenen Werken umgehen werden.
Die Entscheidung des Gerichts könnte Präzedenzfall für ähnliche Fälle werden, in denen Kunstwerke des Antisemitismus beschuldigt werden. Gottschalks Klage bleibt bestehen, während die documenta 15 bei ihrer Weigerung, einen Vergleich einzugehen, bleibt. Das Urteil wird zeigen, ob die Ausstellung Schadensersatz zahlen muss oder ob die Entfernung des Werks als ausreichend gewertet wird.






