Florentina Holzingers Sancta polarisiert mit radikaler Performance an der Stuttgarter Oper
Carolina SchleichFlorentina Holzingers Sancta polarisiert mit radikaler Performance an der Stuttgarter Oper
Florentina Holzingers umstrittene Oper Sancta feiert provokante Rückkehr an der Staatsoper Stuttgart
Am Wochenende sorgte die umstrittene Oper Sancta von Florentina Holzinger an der Staatsoper Stuttgart für Furore. Die Premiere am Samstag löste Aufsehen aus – während der Aufführung kam es zu 18 medizinischen Notfällen. Das provokante Werk, das religiöse Themen mit radikaler Performance-Kunst verbindet, hat bereits für viel Aufmerksamkeit und Debatten gesorgt.
Die Produktion lässt sich von Paul Hindemiths Oper Sancta Susanna aus dem Jahr 1921 inspirieren, die einst wegen angeblicher Gotteslästerung verboten wurde. Holzingers Version deutet die Geschichte als eine Messe um, in der Nacktheit und drastische Anspielungen auf die Wundmale der Kreuzigung Christi eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, traditionelle kirchliche Erzählungen infrage zu stellen – insbesondere durch die Neudeutung von Frauenrollen, die in der christlichen Geschichte lange ausgegrenzt wurden.
Die Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, wurde persönlich von Viktor Schoner, dem Intendanten der Stuttgarter Oper, für die Leitung der Produktion ausgewählt. Schoner betont, Holzingers Ansatz sei ein bewusster Bruch mit konventioneller Oper – eine Grenzgängerin, die künstlerische Radikalität mit handwerklicher Präzision verbindet. Anders als in früheren Werken wie Der rote Wal verzichtet Sancta auf starre Strukturen und setzt stattdessen auf rohe kreative Energie, die in einem intensiven Probenprozess entstand – noch bis zur Premiere wurden neue Elemente eingefügt.
Die Oper ist noch bis zum 5. Oktober zu sehen, mit weiteren Vorstellungen am 3. und 4. Oktober. Die Termine im November (1. und 2.) sind bereits ausverkauft, für die Oktober-Aufführungen sind jedoch noch Karten erhältlich – wenn auch bei großer Nachfrage.
Mit ihrer Mischung aus religiöser Symbolik und avantgardistischer Performance hat Sancta bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die hohe Zahl an medizinischen Einsätzen während der Premiere unterstreicht die intensive Wirkung auf das Publikum. Wer Oper in radikaler Neuinterpretation erleben möchte, hat im Oktober noch die letzte Gelegenheit dazu.






