27 March 2026, 08:10

Glasfaserausbau in Deutschland: Neue TKG-Novelle soll Tempo machen – doch Hindernisse bleiben

Nahaufnahme eines Faseroptikkabels mit blauen und weißen Lichtern vor schwarzem Hintergrund.

Glasfaserausbau in Deutschland: Neue TKG-Novelle soll Tempo machen – doch Hindernisse bleiben

Deutschlands Vorstoß für schnelleren Glasfaserausbau gewinnt an Fahrt

In den letzten Jahren hat Deutschland seine Bemühungen um den beschleunigten Ausbau von Glasfasernetzen intensiviert. Politische und regulatorische Änderungen, darunter die anstehende TKG-Novelle 2025 und 2026, sollen Genehmigungsverfahren beschleunigen und Erlaubnisse vereinfachen. Dennoch bleiben trotz Fortschritten Herausforderungen wie hohe Kosten und zögerliche Kundennachfrage bestehen.

Sowohl Verbraucher als auch Unternehmen unterstützen weitgehend die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes seit den 1990er-Jahren. Nun sollen neue Regelungen den Spagat zwischen Wettbewerb und notwendigen Investitionen in die Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur schaffen. Die ursprüngliche Gigabit-Strategie der Bundesregierung sah vor, bis 2030 eine flächendeckende Glasfaserversorgung zu erreichen. Bis März 2026 hatten bereits 50 Prozent der Haushalte Zugang zu Glasfaser – ein Anstieg gegenüber 52,8 Prozent im Vorjahr, wie aus der BREKO-Analyse 2025 hervorgeht. Allein die Telekom erschließt jährlich 2,5 Millionen Haushalte und strebt bis 2030 eine Versorgung von 25 Millionen an.

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Der Entwurf des Telekommunikationsgesetzes (TKG) führt zentrale Maßnahmen ein, um den Ausbau zu beschleunigen. Betreiber dürfen Gebäude vollständig mit Glasfaser ausstatten, sobald sie die Infrastruktur bis zur Grundstücksgrenze verlegt haben. Eigentümer können dies jedoch blockieren, wenn sie innerhalb von zwei Monaten mit einem eigenen Glasfaserprojekt beginnen. Das Gesetz verankert zudem ein Recht auf Vollversorgung mit Glasfaser (§ 144) sowie eine Pflicht zum Drittzugang zu Netzen (§ 22). Scheitern Verhandlungen über Zugangskonditionen, kann die Bundesnetzagentur (BNetzA) Nutzungsbedingungen und Preise festlegen.

Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus fordert externen Druck, um den Ausbau zu beschleunigen. Doch Branchenvertreter äußern Bedenken: Stefan Rueter, COO des Glasfaseranbieters OXG, warnt, dass die zweimonatige Frist für Eigentümerbenachrichtigungen und die zweijährige Umsetzungsfrist Investoren abschrecken und den Fortschritt bremsen könnten. Claus Wedemeyer, Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, kritisiert, dass die Preisfestsetzung der BNetzA etablierte Anbieter begünstigen könnte, statt reale Kosten widerzuspiegeln.

Die TKG-Novelle 2025, die ab Juli 2025 in Kraft tritt, stufte den Glasfaserausbau als überragendes öffentliches Interesse ein, um Genehmigungen zu beschleunigen. Die geplante TKG-Novelle 2026 vereinfacht zudem Verfahren für Baugenehmigungen, Mehrfamilienhäuser und Aktualisierungen des Gigabit-Katasters. Trotz dieser Schritte behindern hohe Kosten und eine verhaltene Nachfrage seitens der Kunden weiterhin die vollständige Umsetzung.

Die Unterstützung für die Markliberalisierung bleibt hoch: Eine Umfrage zeigt, dass 65 Prozent der Verbraucher und 69 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) die Reformen der 1990er-Jahre positiv bewerten. Beide Gruppen betonen die Bedeutung von Wettbewerb, während die Branche darauf hinweist, dass Investitionsanreize – selbst in schwierigen Wirtschaftslagen – entscheidend sind.

Deutschland hat beim Glasfaserausbau stetige Fortschritte erzielt: Mittlerweile ist die Hälfte der Haushalte angeschlossen. Neue Regelungen sollen bürokratische Hürden abbauen und private Investitionen fördern. Doch Sorgen über Kosten, Investitionssicherheit und faire Preisgestaltung deuten darauf hin, dass weitere Anpassungen nötig sein könnten, um das 2030-Ziel zu erreichen.

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