Seligenstadt weiht neu gestalteten Synagogenplatz als Mahnmal gegen das Vergessen ein
Liesbeth KuhlSeligenstadt weiht neu gestalteten Synagogenplatz als Mahnmal gegen das Vergessen ein
Seligenstadt präsentiert neu gestalteten Synagogenplatz zur Erinnerung an die zerstörte Synagogue
Die Stadt Seligenstadt hat einen neu gestalteten Synagogenplatz eingeweiht, um an die zerstörte Synagoge der Stadt zu erinnern. Der Ort, an dem einst die Seligenstädter Synagoge stand, bis sie 1938 zerstört wurde, wurde am Freitag, dem 22. März, in einer offiziellen Feier der Öffentlichkeit übergeben. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian begrüßte rund 40 Gäste aus der lokalen Politik, Kirchen, Vereinen und der Zivilgesellschaft, um den Anlass zu würdigen.
Der Platz an der Frankfurter Straße ist nun mit zwei schmiedeeisernen Toren und einer großen, auffälligen Informationstafel ausgestattet. Diese Elemente ersetzen die kleineren, weniger sichtbaren Schilder, die 2009 installiert worden waren. Die Tore, kombiniert mit den bereits vorhandenen Sandsteinportalen, schaffen den Eindruck eines umschlossenen Raums, der zur stillen Besinnung einlädt.
Die Stadt finanzierte das Projekt und übernahm die Kosten von etwa 13.000 Euro für die Tore und die neue Tafel. Ziel der Neugestaltung ist es, den Platz von einer einfachen Durchgangsstraße in einen Ort des Gedenkens zu verwandeln. Die ursprüngliche Synagoge war am 10. November 1938 während der nationalsozialistischen Pogrome in Brand gesetzt worden. Adolf Abraham Stein, der langjährige Leiter der jüdischen Gemeinde, wurde später am 11. September 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 26. Februar 1943 starb.
Die Veränderungen in Seligenstadt spiegeln einen bundesweiten Trend wider. Auch Städte wie Kaiserslautern, Stadthagen und Hagenow haben sich von der Nachkriegszeit, in der zerstörte Synagogen oft vernachlässigt wurden, hin zu einer aktiven Erinnerungskultur gewandt. Kaiserslautern errichtete 2003 ein Mahnmal mit rekonstruierten Mauerfragmenten, auf denen die Namen von Holocaust-Opfern eingraviert sind. Stadthagen veröffentlichte detaillierte Dokumentationen über das Schicksal seiner Synagoge, während Hagenow den Ort nach der Zerstörung 1938 und einer späteren Umnutzung 1942 als Museum erhalten hat.
Die Neugestaltung des Synagogenplatzes stellt sicher, dass die Geschichte des Ortes sichtbar und zugänglich bleibt. Die eisernen Tore und die Informationstafel dienen als dauerhafte Mahnmale für die Zerstörung der Synagoge und die betroffenen Menschenleben. Die Bemühungen der Stadt fügen sich in eine wachsende Bewegung in ganz Deutschland ein, historische Stätten zu bewahren und zu ehren.






