Europas riskante Abhängigkeit von US-Technologie und Rüstungsgütern wächst
Europas riskante Abhängigkeit von US-Technologie und Rüstungsgütern wächst
Europas Abhängigkeit von US-Technologie und Militärgerät wirft Fragen zur digitalen und Verteidigungssouveränität auf. Von der Software in Behörden bis zu Kampfflugzeugen am Himmel – die Kontinente Bindung an amerikanische Anbieter macht ihn verwundbar. Immer lauter werden nun die Rufe nach größerer Unabhängigkeit, sowohl in der Technik als auch auf dem Schlachtfeld.
Der öffentliche Sektor in Deutschland ist nach wie vor stark von US-Techkonzernen wie Microsoft abhängig, was die Kosten in die Höhe treibt und heimische Wettbewerber erstickt. Als Reaktion haben Aktivisten den "Tag der digitalen Unabhängigkeit" ins Leben gerufen, der jeweils am ersten Sonntag im Monat stattfindet. Die Kampagne fordert Bürger auf, zu alternativen Diensten zu wechseln und stattdessen europäische Unternehmen zu unterstützen.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Software. Über 64 % der Rüstungsimporte europäischer NATO-Mitglieder stammen aus den USA – obwohl 23 der 32 Bündnisstaaten (mit Ausnahme der USA) mittlerweile mindestens 2 % ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Deutschlands eigenes Militärbudget liegt bei 2,12 %, doch ein großer Teil dieser Mittel fließt zurück über den Atlantik. Selbst kritische Systeme wie Satellitenaufklärung, GPS oder hochmoderne Kampfflugzeuge wie die F-35 bleiben unter US-Kontrolle.
Experten warnen, dass die Abhängigkeit von US-Kampfflugzeugen zum Bumerang werden könnte, falls der Zugang plötzlich eingeschränkt würde. Die Gefahr eines sogenannten "Kill Switch" hat die Debatten über die Entwicklung europäischer Militäralternativen verschärft. Unterdessen macht Schleswig-Holstein vor, wie es geht: Das Bundesland stellt seine öffentliche Verwaltung auf lokal gehostete Open-Source-Lösungen um. Ein Modell, das auch anderen deutschen Ländern als Vorbild dienen könnte, um die Abhängigkeit von ausländischer Technik zu verringern.
Die Dringlichkeit hat durch Russlands Krieg in der Ukraine und die mögliche Rückkehr Donald Trumps ins US-Präsidentenamt weiter zugenommen. Beide Faktoren treiben die europäischen Rüstungsausgaben in die Höhe – doch das Geld landet oft bei US-Rüstungskonzernen statt bei europäischen Herstellern.
Die Forderung nach digitaler und militärischer Autonomie gewinnt in Europa an Fahrt. Bundesländer wie Schleswig-Holstein beweisen, dass es Alternativen gibt, während Aktivisten und Politiker die Risiken einer zu starken Abhängigkeit von US-Anbietern betonen. Ohne schnellere Fortschritte in der europaweiten Forschung und bei eigenen Rüstungsprojekten könnte die strategische Unabhängigkeit des Kontinents jedoch in weiter Ferne bleiben.
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