Hanau gedenkt der Opfer rechtsextremer Gewalt – und fordert Aufklärung ein
Hanau gedenkt der Opfer rechtsextremer Gewalt – und fordert Aufklärung ein
Gedenkveranstaltung in Hanau für die Opfer des rechtsextremen Anschlags von 2020
In Hanau findet eine Gedenkveranstaltung für die neun Menschen statt, die am 19. Februar 2020 von einem Rechtsextremisten ermordet wurden. Unter dem Motto "Hanau – Kein Einzelfall" erinnert die Kundgebung auch an alle Opfer rechtsextremer Gewalt in Hessen seit 1945. Rednerinnen und Redner werden von den Behörden Antworten zum Anschlag fordern und eine umfassendere Anerkennung der Betroffenen einfordern.
Die Zeremonie beginnt um 18:00 Uhr mit einer Eröffnungsrede von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende. Anschließend wird Sascha Schmidt, Autor des Buches "Rechtsterror in Hessen" und Sprecher der Veranstaltung, das Wort ergreifen. In seiner Rede geht es um die 21 Menschen, die seit 1945 in Hessen bei rechtsextremen Anschlägen getötet wurden – sieben von ihnen werden in offiziellen Statistiken bis heute nicht als Opfer anerkannt.
Die Teilnehmenden gedenken zudem Ibrahim Akkus, der das Attentat 2020 zwar überlebte, später jedoch seinen Verletzungen erlag. Die Kundgebung thematisiert auch grundsätzliche Versäumnisse: das Versagen der Polizei bei der Einsatzbewältigung, mangelnde Fluchtwege während des Angriffs und die online erfolgte Radikalisierung des Täters. Elke Gerriets von "Omas gegen Rechts Wiesbaden" drängt seit Langem auf weitere Untersuchungen zu diesen Vorfällen.
Regina Sagel, ebenfalls Mitglied der Initiative, forderte verbindliche Antirassismus-Schulungen in öffentlichen Einrichtungen, bei der Polizei und in der Justiz. Ihr Appell folgt auf BKA-Statistiken, die jährlich über 2.000 rechtsextreme Gewalttaten in Deutschland ausweisen – allein 2023 waren 2.790 Menschen betroffen. Eine bundesweit einheitliche Erfassung der Opfer scheitert jedoch an unterschiedlichen Anerkennungskriterien der Länder. Parallel wird der Hessische Landtag in Wiesbaden eine Schweigeminute abhalten.
Die Veranstaltung unterstreicht die anhaltenden Forderungen nach Aufklärung und Reformen. Die Organisatorinnen und Organisatoren bestehen auf eine offizielle Anerkennung aller Opfer rechtsextremer Gewalt in Hessen. Zudem verlangen sie klare Stellungnahmen der Behörden zum Anschlag von Hanau und dessen Folgen.
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