Wie ein Ex-Richter Konflikte in Tarifverhandlungen schlichtet und die Arbeitswelt verändert

Liesbeth Kuhl
Liesbeth Kuhl
2 Min.
Zwei Männer, einer sitzend und einer stehend, streiten sich über ein Papier mit Text, was eine formelle Umgebung andeutet.Liesbeth Kuhl

Wie ein Ex-Richter Konflikte in Tarifverhandlungen schlichtet und die Arbeitswelt verändert

Holger Dahl arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten als Mediator. Seine Karriere begann 2003, nachdem er sein juristisches Staatsexamen abgelegt hatte; später wirkte er als Richter an den Arbeitsgerichten in Frankfurt und Wiesbaden. Seit 2023 kooperiert er zudem mit Die Schlichtung, einem der führenden deutschen Mediationsdienste.

Dahl startete seine Laufbahn in einer internationalen Kanzlei, bevor er sich der Mediation zuwandte. Heute liegt sein Schwerpunkt auf der Schlichtung von Konflikten während Tarifverhandlungen in verschiedenen Branchen. Einen erfolgreichen Kompromiss definiert er als eine Lösung, bei der beide Seiten das Gefühl haben, dass ihre Anliegen berücksichtigt wurden.

Das rechtliche Umfeld der Mediation in Deutschland hat sich seit Dahls Einstieg in das Feld gewandelt. Richtungsweisende Urteile des Bundesarbeitsgerichts – etwa die Entscheidung von 2015 zur Mediation bei Umstrukturierungen oder das Urteil von 2022 zur digitalen Streitbeilegung – haben die Praxis geprägt. Auch die Digitalisierung spielt eine Rolle: Plattformen wie das Mediationsportal des BMAS, das 2020 an den Start ging, ermöglichen virtuelle Sitzungen. EU-Richtlinien fördern zudem die grenzüberschreitende Mediation für international tätige Unternehmen.

Für Dahl ist die Vielfalt der Menschen und Konflikte der bereicherndste Aspekt seiner Arbeit. Gleichzeitig sieht er den wachsenden Druck auf Deutschland als Wirtschaftsstandort – nicht zuletzt durch die Zunahme internationaler Matrixorganisationen. Trotz einiger rechtlicher Uneinheitlichkeiten betrachtet er das Betriebsverfassungsgesetz und das Kündigungsschutzgesetz weiterhin als stabile rechtliche Grundlagen.

Auf die Frage nach der Work-Life-Balance gibt Dahl zu, seine Arbeitszeiten längst nicht mehr zu erfassen. Er fühlt sich sowohl in seiner beruflichen Rolle als auch im Privatleben ausgeglichen.

Dahls Werdegang spiegelt die allgemeine Entwicklung der Mediation im deutschen Arbeitsrecht wider. Seine Erfahrung umfasst traditionelle Gerichtssäle, digitale Plattformen und internationale Rahmenbedingungen. Die Nachfrage nach qualifizierten Mediatoren wie ihm steigt weiter – parallel zu den sich wandelnden Herausforderungen in Arbeitswelt und Rechtssystem.

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